Tolle Aussicht, gute Küche und unangenehmer Beigeschmack
Ein Besuch im Rittergut Kreipitzsch, bei dem aber leider (zu) viele Gäste den Service etwas ins Schwanken bringen

17. Juli 2026

„Zwar die Ritter sind verschwunden, nimmer klingen Speer und Schild“, kein Wunder, dass mir die Zeilen des Kugler Liedes durch den Kopf schwirren.

Immerhin stehen wir oberhalb der Rudelsburg und schauen geradezu auf den historischen Ort, an dem das schöne Lied von der Saale, dem hellen Strande, den Burgen und den verschwundenen Rittern im Jahr 1826 entstanden ist. Das Landgut, auf dem sich heute das Hotel und Restaurant Rittergut Kreipitzsch befindet, blickt auf eine über 1000-jährige wechselhafte Geschichte zurück, ganz bestimmt auch mit verschwundenen Rittern. Die Besucher, die von diesem herrlichen Ort aus ins Saaletal blicken, sind fasziniert von der Landschaft mit den Burgen, Hügeln und Wäldern. Irgendwie schmiegt sich von hieraus sogar der filigrane Brückenbau der B87n fast harmonisch ein. Unseren Tisch ist für 12:30 Uhr reserviert und da uns noch Zeit bis dahin bleibt, wandern wir über das Gutsgelände mit seinen Ferienhäusern. Ein Urlaubsgefühl stellt sich ein. Kinderspielplatz und kleine Sitzgruppen. Blühende Rosen in allen Farben. Ein kleiner Teich, Bäume, Sträucher und immer wieder diese Aussicht und diese Ruhe. Mit letzterer ist es vorbei, als wir an unseren Platz geleitet werden, unmittelbar am Eingang zum Gastraum. Alle Tische sind besetzt. Um uns herum Stimmengewirr, der Zwitscherton des Telefons von der Rezeption und das geschäftige Hin und Her der drei Servicekräfte, die zwei gut besetzte Gasträume zu versorgen haben. Eben hatte man noch festgestellt, um dann sofort wieder vergessen, dass für uns keine Kerze eingedeckt wurde und auch keine Gewürzstreuer. Nur ein schneller Blick auf die Getränkekarte und schon kommt die Frage nach den Getränkewünschen. Ein alkoholfreies Hefeweizen (0,5 l-5,50 €) und eine Johannisbeerschorle (0,4 l-4,90 €) stehen sehr zeitnah vor uns. Die Suppe möchten wir bitte gleichzeitig mit den Hauptgängen bestellen, meint die nette Servicekraft, die vielleicht eine Aushilfe ist, einzeln kann sie die Bestellung nicht entgegennehmen. Wir schaffen es, uns innerhalb von 3 Minuten zu entscheiden. Vorweg soll es die Zucchini-Pfifferlingssuppe sein (5,50 €). Sie wird zügig serviert. Der erste Blick auf die Suppe sucht die auf der Karte ausgewiesenen Croutons, aber nur die Pfifferlinge sind vorhanden und außerdem ein deutlicher bitterer Geschmack. Ich vermute, von der Zucchini und teile das auch mit, als ich die gefüllte Tasse abräumen lasse. Der Kellnerin tut das leid, wie sie sagt, mir auch! Die kurze Zeit bis unsere Hauptgerichte die Küche verlassen, nutze ich, um einige der zahlreichen Bilder zu betrachten, die eindrucksvoll die Wände schmücken. Ich bin freudig überrascht. Sie sind alle von Reinhard Bergmann, einem ehemaligen, leider früh verstorbenen Kollegen von mir und zeigen etliche Burgen, insbesondere aus Deutschland und Frankreich. Mein gebratenes Wildlachsfilet mit Gemüsereis, Paprika- Sahnesoße und einem kleinen Salat (22,50 €) wird zeitgleich mit der „Spätzlepfanne Rittergut“ (19,90 €) an den Tisch gebracht. Letzteres angerichtet in einem eisernen Pfännchen, in dem sich mit Käse überbackene Schweinemedaillons, Rahmchampignons und ein Beilagensalat befinden. Es hat meinem Begleiter gut geschmeckt. Mein Wildlachs ist geschmacklich in Ordnung, auch wenn der Garpunkt etwas überschritten wurde. Der Gemüsereis mit Zucchini und roter Paprika und die pikante Soße runden das Gericht sehr gut ab. Der knackige Salat mit Joghurtdressing ist erfrischend und dazu passend. Als die Servicekraft direkt neben meinen Teller ein Tablett mit schmutzigem Geschirr abstellt, um das leere Pfännchen meines Gegenübers abzuräumen, bin ich unangenehm berührt. Auch Aushilfen sollten ein Minimum an Serviceregeln kennen und nicht nur „Tellertaxis“ sein. Aus der Eiskarte wähle ich den Hausbecher (Stracciatella-, Schoko- und Vanilleeis mit Eierlikör und Sahne, 8,50 €). Die meisten Tische sind inzwischen bereits von den Gästen verlassen. Es wird deutlich leiser und der Gastraum für den nächsten Ansturm vorbereitet? Die Tafel neben uns sprüht man so kräftig mit einem Reinigungsmittel ein, dass auch meine Nase etwas davon hat und ich mein Dessert vorsichtshalber mit der Hand abschirme. Ein entspanntes Mittagessen am Sonntag hatten wir uns etwas anders vorgestellt, geht es doch bei einem Gaststättenbesuch in der Regel nicht nur um einen vollen Bauch, sondern auch um Muse und Genuss. Vielleicht finden wir das an einem anderen Tag hier, mit einem Platz auf der Terrasse mit der tollen Aussicht und Vogelgezwitscher.

gemalter Blick ins Saaletal Wildlachs auf Gemüsereis Spätzlepfanne Rittergut
gemalter Blick ins Saaletal   Wildlachs auf Gemüsereis   Spätzlepfanne Rittergut

 

Kontakt: Hotel & Restaurant Rittergut, Zum Rittergut 11, 06628 Naumburg OT Kreipitzsch, Tel: 034466 6000, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein., https://hotelrittergut.de

Öffnungszeiten: Di/Mi/Do: 15 Uhr bis 21 Uhr, Fr/Sa: 11:30 Uhr bis 21 Uhr, So: 11:30 Uhr bis max. 17 Uhr, Mo: Ruhetag