Wo die Wäsche hängt wird ausgeschenkt
Der „Grobe Gottlieb“ in Halle lädt ein zu rustikaler Gemütlichkeit und Hausmannskost

25. Januar 2026

Mal eben schnell mit der Regionalbahn in reichlich 30 Minuten von Naumburg nach Halle fahren und das, sofern man nicht sowieso ein Deutschlandticket besitzt, mit dem Hopperticket (13,25) für die Hin-und Rückfahrt, ist durchaus lohnenswert.

Nach dem Besuch der Moritzburg, der Frankeschen Stiftungen oder einfach nur einem Einkaufsbummel findet man hier, wie überall, ein vietnamesisches Lokal, einen „Griechen“ oder eine Imbissbude, um sein Hüngerchen zu stillen. Wer aber ein traditionelles und typisch hallesches Speiseerlebnis sucht, dem sei der „Grobe Gottlieb“, ganz in Nähe des Marktplatzes empfohlen. Der Name geht, wie auf der Speisekarte erklärt wird, auf den Wirt Emerich Neuman zurück, der hier 1896 eine Gaststätte eröffnete. Eine gewisse originelle Grobheit, mit der er seine Gäste begrüßt haben soll, brachten ihm und seinem Haus diesen Namen ein. Nach einer wechselhaften Geschichte und wechselnden Namen, ist mir das Gasthaus während meiner Studentinnenzeit in Halle in der 70er Jahren als das „Tucherbräu“ in Erinnerung. Die rustikalen Holzmöbel, die Dekoration mit Wäscheleinen und daran hängender Wäsche, die bunten Bleiglasfenster und der etwas verwinkelte Gastraum gaben und geben ein Gefühl von gemütlicher Ungezwungenheit. Als wir an einem Dienstag im Dezember gegen 12 Uhr das Lokal betreten, ist nur der Tisch neben dem Ausschank besetzt. Wir haben nicht reserviert und werden, gegenüber dem Tresen platziert. Schade, ich hätte gern einen Nischenplatz ausgesucht, aber freie Platzwahl gibt es nicht. Die Nische bekommt das Paar, das 30 Minuten nach uns kommt und, genau wie wir, nicht reserviert hat. Das Prinzip ist nun durchschaubar, es geht eindeutig um Wegeoptimierung für die Servicekraft, denn alle drei nun besetzten Tische sind in unmittelbarer Nähe des Ausschanks. Zwischenzeitlich haben wir bestellt. Da es draußen sehr kalt und drinnen nicht sehr warm ist, nehme ich einen Tee (2,80), meinen Mann lockt das Luther Bier, ein süffiges Dunkles (0,3 l für 4,20). Als die Getränke kommen, bitte ich den Kellner darum, die Kerze anzuzünden, die auf dem Tisch steht. Gerade in der dunklen Jahreszeit gibt das ein zusätzliches Wohlgefühl für mich. Ich empfinde eine kalte Kerze am trüben Wintertag wie Plastikblumen im blühenden Sommer. Die Speisekarte ist originell gestaltet und mit viel hallescher Mundart gespickt. Wer „was ze Leffeln“ will, könnte zum Beispiel eine Nudelsuppe (7,50) probieren. Das traditionellste und mit der Salzstadt Halle sehr verbundene Gericht ist aber der Salzkrustenbraten mit Schwenkbohnen und Erdäppeln (23,50). Mein Mann jedoch bestellt die Bauernpfanne mit Schweinemedaillons in Schwarzbiersoße, Bratkartoffeln und buntem Gemüse (25,00). Ich nehme das gebratene Wildlachsfilet auf Bandnudeln, das mit tomatisiertem Gemüse und einer kleinen Salatbeilage gereicht wird (25,50). Die Bauernpfanne schmeckt gut, mit der Schwarzbiersoße erhält sie einen besonderen rustikalen Touch. Leider überzeugt mein Essen nicht. Das Fischstück ist sehr klein, sehr durchgebraten und damit trocken. Die Bandnudeln sind schlecht abgetropft, so dass das Gericht verwässert ist. Da es nicht interessiert, ob wir zufrieden waren, halte ich mich mit einer Meinungsäußerung zurück und gebe meinem ersten Eindruck eine zweite Chance. Als Dessert wird ein Eierkuchen mit Apfelmus und Vanilleeis (13,50) bestellt. „Da muss ich erst einmal nachfragen, denn wir haben noch keine Lieferung bekommen“, ist die Reaktion. Während ich mich frage, ob es an Eiern, Milch oder Mehl liegen könnte, den absoluten Basics jeder Küche, kommt eine gute Nachricht und kurz darauf der Eierkuchen, der wahrscheinlich in Gänze vorrätig war. Ein durchaus gut schmeckender und reichlicher Nachtisch. Eine große Kugel Vanilleeis ist geschickt in den großen Eierkuchen eingehüllt. Reichlich geschlagene Sahne, mit Kakao und Zimt bestreut rundet den Geschmack ab und passen sehr gut zur Jahreszeit Dazu darf es dann auch noch ein Kaffee sein (3,20) und die Rechnung. Vor etwa einem Jahr waren wir mit Freunden aus Naumburg hier zum Mittagessen. Damals waren sowohl die Qualität der Speisen als auch der Service überzeugender. Vielleicht (hoffentlich) haben wir aber nur einen nicht ganz so guten Tag erwischt.

1 GroGottl 01 Helme 03 Gyros
Wo die Wäsche hängt... Medaillons in Biersoße Wildlachs - leider trocken

Kontakt, Öffnungszeiten Braugasthaus

Altdeutsche Bauernschänke
zum „Groben Gottlieb“
Große Märkerstraße 20
06108 Halle (Saale)

Tel. 
0345 2028872

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    täglich 11-00 Uhr

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